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Kundenverwaltung im Tattoo-Studio: Kundenkartei, Historie und Stammkunden

Aktualisiert am 12. September 2026

Kurz gesagt

Eine Kundenkartei im Tattoo-Studio führt pro Person Kontaktdaten, alle Sessions mit Motiv, Stelle und Preis, Notizen zu Schmerzempfinden und Hauttyp, Einverständnisse, Fotos, Zahlungen und ein paar Tags. Entscheidend ist, dass sie durchsuchbar und exportierbar ist, denn genau das können Instagram-DMs und WhatsApp nicht. Wer diese Historie hat, erkennt Stammkunden, offene Projekte und fällige Touch-ups, ohne sich an sie zu erinnern.

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Kundenkartei ist mehr als eine Adressliste: Sessions, Notizen, Einverständnisse, Fotos und Zahlungen gehören an dieselbe Person.
  • Instagram und WhatsApp sind Kanäle, keine Kartei. Sie sind nicht durchsuchbar, nicht exportierbar und beim Geräteverlust weg.
  • Fünf bis acht Tags reichen. Wer zwanzig anlegt, pflegt am Ende keinen einzigen.
  • Stammkunden erkennst du an der Wiederkommer-Quote und an offenen Projekten, nicht am Bauchgefühl.
  • Beim Umstieg überträgst du nur aktive Kunden. Der Rest kommt automatisch dazu, wenn er das nächste Mal bucht.
Inhalt
  1. Was gehört in eine Kundenkartei?
  2. Warum Instagram und WhatsApp keine Kartei sind
  3. Tags: die einfachste Ordnung, die wirklich hält
  4. Wie erkennst du deine Stammkunden?
  5. Zettel, Excel, Instagram oder App: was passt zu dir?
  6. Umstieg: so kommst du vom Zettel in ein System
  7. Vorlage: Notiz nach der Session

Fast jeder Artist kennt die Situation: Jemand schreibt nach anderthalb Jahren wieder, und du weisst nicht mehr, welches Motiv damals gestochen wurde, ob eine Session offen ist oder ob die Person überhaupt schon bei dir war. Die Information existiert, sie liegt nur verteilt auf drei Apps und einem Notizbuch. Genau dieses Problem löst eine Kundenkartei.

Was gehört in eine Kundenkartei?

Die Kartei soll dir in zehn Sekunden sagen, wer die Person ist und wo ihr steht. Alles, was dafür nötig ist, gehört rein, alles andere nicht.

  • Kontakt: Name, Telefon, E-Mail und der Instagram-Handle, weil viele Anfragen genau dort starten.
  • Alle Sessions: Datum, Motiv, Körperstelle, Dauer, Preis, Anzahlung und wer gestochen hat.
  • Notizen: Schmerzempfinden, Hauttyp, wie die Haut Farbe genommen hat, Pausenbedarf, Wünsche für später.
  • Einverständnisse: das signierte Dokument pro Termin, inklusive Gesundheitsangaben.
  • Fotos: Referenzen, frisch gestochen, verheilt nach vier Wochen.
  • Zahlungen: was bezahlt wurde, wie und wann, plus offene Beträge.
  • Tags: wenige, dafür konsequent gepflegt.

Die Notizen sind der Teil, den fast alle unterschätzen. Ein Satz wie 'braucht alle 90 Minuten eine Pause, reagiert empfindlich auf Rot' macht die zweite Session spürbar angenehmer, für beide Seiten.

Warum Instagram und WhatsApp keine Kartei sind

Beide sind grossartig, um mit Menschen zu reden, und ungeeignet, um Informationen zu behalten. Du kannst nicht nach 'alle Kunden mit offenem Sleeve-Projekt' suchen, du kannst nichts exportieren, und wenn ein Account gesperrt wird oder das Handy verloren geht, ist die Historie weg. Dazu kommt, dass Gesundheitsangaben in einer DM datenschutzrechtlich heikel sind, mehr dazu im Artikel zum Datenschutz im Studio.

Die Lösung ist nicht, Instagram aufzugeben. Der Kanal bleibt, aber am Ende jedes Gesprächs landen die Fakten in der Kartei. Wie du den Weg von der DM zum Termin sauber organisierst, steht im Artikel zu Instagram-Anfragen.

Tags: die einfachste Ordnung, die wirklich hält

Tags sind kurze Etiketten am Kunden, mit denen du später filterst. Sie ersetzen kein System, aber sie machen aus einer Liste eine Zielgruppe. Fang mit fünf bis acht an, mehr pflegt niemand durch.

  • Stil: blackwork, fineline, traditional. Praktisch, wenn du Flash zu einem Stil ankündigst.
  • Stammkunde: alle, die mehr als zwei Sessions bei dir hatten.
  • Projekt offen: Sleeve, Rücken oder Bein noch nicht fertig. Das ist deine wertvollste Liste.
  • Guest-Spot-Stadt: wer in Zürich, Wien oder Berlin wohnt. Vor dem Gastaufenthalt schreibst du genau diese Leute an.
  • Geburtstagsmonat: einfacher Anlass für eine persönliche Nachricht ohne Rabattschlacht.

Trenn dabei sauber zwischen Tag und Notiz. Ein Tag ist etwas, wonach du später filtern willst, eine Notiz ist alles andere. Wer sich an diese Regel hält, hat nach einem Jahr eine kurze, brauchbare Tag-Liste statt einer zweiten Notizspalte, die niemand mehr liest.

Wie erkennst du deine Stammkunden?

Stammkunden sind der ruhigste Teil deines Umsatzes. Sie kennen deinen Stil, diskutieren weniger über Preise und bringen Freunde mit. Nur merkt man ihr Verschwinden erst, wenn sie ein Jahr weg sind.

  1. Wiederkommer-Quote ansehen: Wie viele Kunden aus dem letzten Jahr hatten mehr als eine Session? Diese eine Zahl sagt mehr über dein Geschäft als der Monatsumsatz.
  2. Offene Projekte durchgehen: Wer hat ein halbes Sleeve und seit vier Monaten keinen Termin? Eine kurze, persönliche Nachricht genügt oft.
  3. Touch-ups nachfassen: Vier bis sechs Wochen nach der Session fragst du nach einem Foto. Daraus wird häufig der nächste Termin.
  4. Geburtstage nutzen: Eine einzige nette Nachricht im Geburtstagsmonat, ohne Verkaufsdruck. Wie du daraus eine Kampagne machst, steht im Newsletter-Artikel.

Rechne einmal durch, was ein Wiederkommer wert ist. Ein neuer Kunde kostet dich Beratung, Preisdiskussion und Terminfindung, oft eine Stunde, bevor die Maschine überhaupt läuft. Ein Stammkunde schreibt zwei Sätze und ist gebucht. Deshalb lohnt sich der Blick in die eigene Kartei fast immer mehr als der nächste Post.

Zettel, Excel, Instagram oder App: was passt zu dir?

ZettelExcelInstagramApp
Suche nach Name oder HandleNeinTeilweiseNur ChatverlaufJa
Sessions mit Motiv und PreisHandschriftManuellNeinStrukturiert
Einverständnis am KundenOrdnerNeinNeinJa, mit Signatur
Fotos am KundenNeinNeinVerstreutJa
Tags und ZielgruppenNeinMit AufwandNeinJa
Export und BackupNeinJaNeinJa
Aufwand pro KundeNiedrigHochNiedrigNiedrig

Excel ist der ehrlichste Zwischenschritt: durchsuchbar, exportierbar, kostenlos. Es scheitert an Fotos, Einverständnissen und daran, dass niemand am Ende eines langen Tages noch eine Tabelle ausfüllt. Wenn du wissen willst, wo die Grenze genau liegt, hilft unser Vergleich mit Excel.

Umstieg: so kommst du vom Zettel in ein System

Der häufigste Fehler beim Umstieg ist der Versuch, alles nachzutragen. Drei Jahre Historie abzutippen dauert Wochen und wird nie fertig. Nimm stattdessen nur, was du wirklich brauchst.

  1. Aktive Kunden übertragen: alle, die in den letzten zwölf Monaten da waren oder ein offenes Projekt haben. Meist sind das dreissig bis achtzig Personen.
  2. Der Rest wächst mit: Jeder alte Kunde landet automatisch im System, sobald er das nächste Mal bucht oder schreibt.
  3. Alte Quellen einfrieren: Zettel und Excel bleiben als Archiv, du legst dort aber nichts Neues mehr an. Zwei parallele Karteien sind schlimmer als eine unvollständige.

Vorlage: Notiz nach der Session

Kurze Notiz, die du direkt nach dem Termin erfasstVorlage
Datum und Dauer: [Datum], [Stunden]
Motiv und Stelle: [Motiv], [Körperstelle]
Stand: fertig / erste Session von [Anzahl] / Projekt offen

Haut und Ablauf: nimmt Farbe gut oder schlecht an, empfindliche Zonen, Pausenrhythmus, Dauer bis zur ersten Pause.
Schmerzempfinden: entspannt / normal / braucht mehr Pausen.
Besonderheiten: Allergien oder Hinweise aus dem Einverständnis, die beim nächsten Mal relevant sind.

Nächster Schritt: Touch-up ab [Datum] möglich / Folgetermin vereinbart am [Datum] / Kunde meldet sich.
Gesprochen über: Ideen für das nächste Projekt, gewünschte Stelle, Budgetrahmen.

Tags gesetzt: [Stil], [Stammkunde], [Projekt offen], [Stadt], [Geburtstagsmonat]
FAQ

Häufige Fragen

Was ist eine Kundenkartei im Tattoo-Studio?

Eine Kundenkartei ist die Sammlung aller Informationen zu einer Person an einem Ort: Kontakt, alle Sessions mit Motiv, Stelle und Preis, Notizen, Einverständnisse, Fotos und Zahlungen. Sie ersetzt verstreute Chats und Zettel und macht Historie durchsuchbar, statt sie im Kopf behalten zu müssen.

Brauche ich als Solo-Artist wirklich ein CRM?

Ein grosses CRM brauchst du nicht, eine durchsuchbare Kundenhistorie schon. Ab etwa fünfzig Kunden im Jahr ist der Kopf keine verlässliche Datenbank mehr, und spätestens beim ersten Rückruf nach einem Jahr merkst du das. Wichtig sind vier Dinge: Suche, Terminhistorie, Notizen und die Möglichkeit, alles zu exportieren. Alles darüber hinaus ist für ein Studio meist Ballast.

Kann ich meine Kunden einfach in Excel verwalten?

Für den Anfang funktioniert das gut. Excel ist durchsuchbar, exportierbar und kostet nichts, scheitert aber an Fotos, signierten Einverständnissen und der Disziplin, die es verlangt. Nach einem langen Tattoo-Tag füllt niemand mehr eine Tabelle aus. Sobald du Dokumente und Bilder an den Kunden hängen willst, ist eine App der klar geringere Aufwand.

Welche Tags sind für ein Tattoo-Studio sinnvoll?

Fünf bis acht reichen: Stil, Stammkunde, offenes Projekt, Wohnort für Guest Spots und der Geburtstagsmonat. Wichtig ist, dass du sie direkt nach der Session vergibst, solange du den Menschen noch vor Augen hast. Mehr Tags bedeuten nicht mehr Ordnung, sondern meist gar keine gepflegten Tags mehr.

Wie übertrage ich meine bestehenden Kunden in eine App?

Übertrage nur aktive Kunden, also alle mit Termin in den letzten zwölf Monaten oder einem offenen Projekt. Alle anderen kommen von selbst dazu, sobald sie wieder buchen. Alte Listen behältst du als Archiv, legst dort aber nichts Neues mehr an.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 12. September 2026.

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