RatgeberRecht & Kunden7 Min. Lesezeit

Einverständniserklärung fürs Tattoo: Inhalt, Regeln und digitale Unterschrift

Aktualisiert am 9. September 2026

Kurz gesagt

Eine Einverständniserklärung fürs Tattoo hält fest, dass du über Risiken und Nachsorge aufgeklärt hast und dass der Kunde bei klarem Kopf zugestimmt hat. Sie braucht Personalien mit Ausweisabgleich, Gesundheitsfragen, Risikoaufklärung, Motiv, Stelle und Datum, eine Bestätigung der Nüchternheit, eine separate freiwillige Foto-Einwilligung sowie beide Unterschriften. In Österreich ist die schriftliche Aufklärung vorgeschrieben und die Dokumentation zehn Jahre aufzubewahren, in der Schweiz und Deutschland brauchst du sie als Nachweis deiner Sorgfalt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Tätowieren erfüllt rechtlich den Tatbestand der Körperverletzung. Erlaubt wird es erst durch die informierte Einwilligung, und die musst du belegen können.
  • Zehn Bausteine gehören in jedes Formular, von den Personalien über die Gesundheitsfragen bis zur Gegenzeichnung durch dich.
  • Beim Alter unterscheiden sich die Länder deutlich: Österreich verbietet Tattoos unter 16, Deutschland und die Schweiz kennen keine bundesweite Grenze.
  • Die Foto-Einwilligung für Instagram gehört separat und freiwillig ins Formular, nie in denselben Satz wie die Behandlungseinwilligung.
  • Digital signiert sparst du pro Termin einige Minuten, findest jedes Dokument in Sekunden und hast keine Ordner mit Gesundheitsdaten im Studio stehen.
Inhalt
  1. Warum brauchst du überhaupt eine Einverständniserklärung?
  2. Diese 10 Bausteine gehören in jede Einverständniserklärung
  3. Ab welchem Alter darf jemand tätowiert werden?
  4. Papier oder digital: was ändert sich wirklich?
  5. So läuft die digitale Einverständniserklärung ab
  6. Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert
  7. Vorlage: Gliederung für deine Einverständniserklärung

Die Einverständniserklärung ist das Papier, an das niemand denkt, bis es fehlt. Sie ist kein Formalismus, sondern dein Nachweis darüber, was du erklärt hast und wozu dein Kunde Ja gesagt hat. Wenn zwei Monate später eine Entzündung auftritt oder jemand behauptet, von einer Allergie nichts gewusst zu haben, entscheidet dieses Dokument, wie das Gespräch verläuft.

Warum brauchst du überhaupt eine Einverständniserklärung?

Juristisch erfüllt jedes Tattoo den Tatbestand der Körperverletzung. Gerechtfertigt wird es durch die Einwilligung des Kunden, und diese Einwilligung zählt nur, wenn er vorher verstanden hat, worauf er sich einlässt. Aufklärung und Dokumentation sind darum keine zwei Dinge, sondern eins.

In Österreich steht das ausdrücklich in den Vorgaben: Vor dem Tätowieren muss schriftlich über die Risiken aufgeklärt werden, der Kunde bestätigt die Aufklärung schriftlich, und die Dokumentation ist zehn Jahre aufzubewahren. In der Schweiz und in Deutschland gibt es keine identisch formulierte Regel, aber die Sorgfaltspflicht gegenüber Kunden und die Beweislast im Streitfall führen zum selben Ergebnis. Ohne dokumentierte Aufklärung kannst du schlicht nicht belegen, dass eingewilligt wurde.

Diese 10 Bausteine gehören in jede Einverständniserklärung

  1. Personalien mit Ausweisabgleich: Name, Geburtsdatum, Adresse, Telefon, E-Mail. Ein Blick auf einen amtlichen Ausweis, festgehalten mit einem Häkchen im Formular.
  2. Gesundheitsfragen: Allergien, Störungen der Blutgerinnung und blutverdünnende Medikamente, Hauterkrankungen an der gewünschten Stelle, Schwangerschaft und Stillzeit, regelmässige Medikamente, chronische Erkrankungen.
  3. Aufklärung über Risiken: Infektion, allergische Reaktion, Schwellung, Narbenbildung, Farbveränderung, Schmerz und die Tatsache, dass ein Tattoo dauerhaft ist.
  4. Hinweis auf die Nachsorge: Der Kunde bestätigt, die Nachsorge-Anleitung erhalten und verstanden zu haben.
  5. Motiv, Stelle, Grösse und Datum: Was genau gestochen wird, wo, in welcher ungefähren Grösse und an welchem Tag, dazu der Name des Artists.
  6. Bestätigung der Nüchternheit: kein Alkohol, keine Drogen, keine betäubenden Medikamente. Eine Einwilligung unter Einfluss ist keine wirksame Einwilligung.
  7. Foto-Einwilligung, separat und freiwillig: eigene Zeile, eigenes Kreuz, jederzeit widerrufbar. Eine Ablehnung darf den Termin nicht beeinflussen.
  8. Datenschutz-Hinweis: welche Daten du speicherst, wofür, wie lange und welche Rechte der Kunde hat.
  9. Unterschrift von Kunde und Artist: beide, mit Ort und Datum. Deine Gegenzeichnung macht aus dem Formular ein Protokoll.
  10. Bei Minderjährigen: schriftliche Einwilligung der erziehungsberechtigten Person, deren Ausweis und, wo möglich, ihre Anwesenheit beim Termin.

Ab welchem Alter darf jemand tätowiert werden?

Hier unterscheiden sich die drei Länder deutlich, und genau hier passieren die teuersten Fehler. Verlass dich nie auf die Aussage des Kunden, sondern auf den Ausweis.

  • Österreich: Unter 16 ist Tätowieren verboten. Zwischen 16 und 18 braucht es die schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten, ab 18 entscheidet die Person selbst.
  • Deutschland: Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze. Ohne Einwilligung der Eltern drohen bei Minderjährigen jedoch strafrechtliche Folgen wegen Körperverletzung, und Branchenverbände empfehlen 18 Jahre.
  • Schweiz: Es gibt kein bundesweit einheitliches Mindestalter, die Regeln sind kantonal. Praxis ist die schriftliche Einwilligung der Eltern bei Minderjährigen, viele Studios tätowieren grundsätzlich erst ab 18.

Unabhängig vom Gesetz entscheidest du, wo deine eigene Grenze liegt. Schreib sie in deine Studio-Regeln und auf die Seite mit deinem Buchungslink, dann kommt die Diskussion gar nicht erst auf den Stuhl.

Papier oder digital: was ändert sich wirklich?

PapierDigital
AufbewahrungOrdner im Studio, Feuer und Wasser sind ein RisikoVerschlüsselt gespeichert, Backup automatisch
WiederfindenBlättern, wenn der Name richtig geschrieben istSuche über Name, E-Mail oder Datum
Fotos anhängenNur separat abgelegtDirekt am Dokument
DatenschutzJeder im Studio kann den Ordner öffnenZugriff steuerbar, Gerät gesperrt
Zeit pro TerminDrucken, ausfüllen lassen, abheftenLink oder QR-Code, Signatur am Handy
NachweisDatum handschriftlichSignatur mit Zeitstempel im PDF

Papier ist nicht falsch, es ist nur teuer in der Pflege. Der grösste Unterschied liegt nicht beim Unterschreiben, sondern zwei Jahre später, wenn du ein bestimmtes Dokument suchst. Auf Papier heisst das Ordner durchgehen, digital heisst es Namen eintippen.

So läuft die digitale Einverständniserklärung ab

  1. Vor dem Termin: Der Kunde bekommt mit der Terminbestätigung einen Link. Er füllt Personalien und Gesundheitsfragen in Ruhe zu Hause aus statt hektisch auf dem Stuhl.
  2. Im Studio: Wer das vergessen hat, scannt einen QR-Code und macht es in zwei Minuten am Handy oder auf deinem Tablet.
  3. Durchgehen: Du gehst die Gesundheitsangaben laut durch und klärst mündlich über die Risiken auf. Das Formular ersetzt das Gespräch nicht, es hält es fest.
  4. Signieren: Der Kunde unterschreibt mit dem Finger, du zeichnest gegen. Bei Minderjährigen unterschreibt die erziehungsberechtigte Person zusätzlich.
  5. Archivieren: Es entsteht ein PDF mit beiden Signaturen und einem Zeitstempel, abgelegt beim Kunden und beim Termin. Fotos vom Vorher-Zustand der Stelle kannst du direkt anhängen.

Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert

Alles, was der Kunde über Allergien, Medikamente oder eine Schwangerschaft angibt, ist eine besondere Kategorie personenbezogener Daten. Das gilt unter der DSGVO in der EU genauso wie unter dem revidierten Schweizer DSG. Praktisch heisst das: kein Versand per WhatsApp, kein offener Ordner im Aufenthaltsraum, Zugriff nur für die Personen, die ihn brauchen, und ein klarer Zeitpunkt für die Löschung.

Wie lange du aufbewahrst, hängt vom Land ab. In Österreich sind zehn Jahre vorgegeben, in der Schweiz und in Deutschland orientierst du dich an Haftungsfristen und Aufbewahrungspflichten. Mehr dazu im Artikel zum Datenschutz im Tattoo-Studio.

Vorlage: Gliederung für deine Einverständniserklärung

Der folgende Text ist ein Ausgangspunkt, keine rechtsgeprüfte Vorlage. Nimm ihn als Gerüst, streich, was für dich nicht passt, ergänze deine Studio-Regeln und lass ihn einmal von einer juristischen Fachperson in deinem Land ansehen, bevor du ihn im Alltag einsetzt.

Gliederung Einverständniserklärung (Ausgangspunkt, keine Rechtsberatung)Vorlage
1. Studio und Artist
Name des Studios, Adresse, Name des Artists, Datum des Termins.

2. Kundendaten
Name, Geburtsdatum, Adresse, Telefon, E-Mail. Amtlicher Ausweis wurde vorgelegt: ja / nein.

3. Tattoo
Motiv, Körperstelle, ungefähre Grösse, geplante Anzahl Sessions.

4. Gesundheitsangaben
Hast du Allergien, zum Beispiel gegen Nickel, Latex, Farben oder Betäubungsmittel? Nimmst du blutverdünnende Medikamente oder hast du eine Störung der Blutgerinnung? Bestehen Hauterkrankungen, Muttermale oder Narben an der gewünschten Stelle? Bist du schwanger oder stillst du? Nimmst du regelmässig Medikamente? Bestehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Epilepsie oder eine Immunschwäche?

5. Aufklärung
Ich wurde darüber aufgeklärt, dass ein Tattoo eine Verletzung der Haut ist und dass es zu Infektionen, allergischen Reaktionen, Schwellungen, Narben und Farbveränderungen kommen kann. Ich weiss, dass ein Tattoo dauerhaft ist und dass eine Entfernung aufwendig, teuer und selten vollständig ist. Ich hatte Gelegenheit, Fragen zu stellen, und alle Fragen wurden beantwortet.

6. Nachsorge
Ich habe die schriftliche Nachsorge-Anleitung erhalten und verstanden. Mir ist bekannt, dass ich bei starker Rötung, Eiterbildung oder Fieber ärztliche Hilfe in Anspruch nehme.

7. Zustand und Richtigkeit
Ich stehe nicht unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder betäubenden Medikamenten. Meine Angaben sind vollständig und wahr.

8. Fotos (freiwillig)
Ich bin damit einverstanden, dass Fotos des fertigen Tattoos für Portfolio und Social Media verwendet werden: ja / nein. Mein Gesicht darf dabei erkennbar sein: ja / nein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen.

9. Datenschutz
Meine Daten werden für Durchführung und Dokumentation des Termins gespeichert, nicht an Dritte weitergegeben und nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist gelöscht. Ich kann Auskunft und Löschung verlangen.

10. Unterschriften
Ort, Datum, Unterschrift Kundin oder Kunde. Unterschrift Artist. Bei Minderjährigen zusätzlich: Name, Ausweisnummer und Unterschrift der erziehungsberechtigten Person.
FAQ

Häufige Fragen

Ist eine Einverständniserklärung beim Tattoo Pflicht?

In Österreich ist die schriftliche Aufklärung mit schriftlicher Bestätigung vorgeschrieben, die Dokumentation muss zehn Jahre aufbewahrt werden. In der Schweiz und in Deutschland gibt es keine gleich formulierte Vorschrift, aber ohne dokumentierte Aufklärung kannst du im Streitfall nicht belegen, dass wirksam eingewilligt wurde. Praktisch ist sie damit überall Pflicht.

Darf ich jemanden unter 18 tätowieren?

Das hängt vom Land ab. In Österreich ist Tätowieren unter 16 verboten, zwischen 16 und 18 braucht es die schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Grenze, ohne Elterneinwilligung drohen aber strafrechtliche Folgen. In der Schweiz ist die Regelung kantonal, üblich ist die schriftliche Einwilligung der Eltern.

Ist eine digitale Unterschrift auf dem Handy gültig?

Für die Dokumentation der Einwilligung reicht in der Praxis eine Signatur mit dem Finger, wenn nachvollziehbar ist, wer wann unterschrieben hat. Wichtig sind deshalb Zeitstempel, die erfassten Personalien und ein Dokument, das sich nachträglich nicht unbemerkt ändern lässt. Lass deine Vorlage im Zweifel juristisch prüfen.

Wie lange muss ich Einverständniserklärungen aufbewahren?

In Österreich gilt eine Aufbewahrung von zehn Jahren. In der Schweiz und in Deutschland gibt es keine identische Vorgabe für dieses Dokument, üblich ist eine Orientierung an Haftungs- und Aufbewahrungsfristen. Lösche danach konsequent, denn Gesundheitsdaten länger als nötig zu speichern ist selbst ein Datenschutzproblem.

Muss die Foto-Einwilligung für Instagram im selben Formular stehen?

Sie darf im selben Dokument stehen, muss aber klar getrennt und freiwillig sein: eigene Frage, eigenes Kreuz, jederzeit widerrufbar. Wer keine Fotos möchte, bekommt trotzdem sein Tattoo. Frag zusätzlich ab, ob das Gesicht erkennbar sein darf, denn das ist für viele der eigentliche Punkt.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026.

Weiterlesen

Passende Artikel

Weniger Admin. Mehr Tätowieren.

Buchungslink, Anzahlungen, KI-Mail-Assistent und digitales Einverständnis an einem Ort. 14 Tage gratis, jederzeit kündbar.