Ein Guest Spot braucht sechs bis acht Wochen Vorlauf: Anfrage und Zusage, feste Daten, dann die Ankündigung mit Buchungslink. Abgerechnet wird meist per Prozentmodell, in der Praxis oft 30/70 zugunsten des Artists, oder über eine Tagesmiete plus Material. Alles Wichtige gehört vorher schriftlich fest: Daten, Anteil, Material, Anzahlungen, Storno, Unterkunft, Kundendaten und Fotorechte.
- Sechs bis acht Wochen Vorlauf sind das Minimum, sonst reicht die Zeit für die Ankündigung und die Buchungen nicht.
- Prozentmodell oder Tagesmiete: beides funktioniert, entscheidend ist, wer Material stellt und wer die Anzahlungen nimmt.
- Was nicht schriftlich steht, wird am letzten Tag zum Streitthema. Eine Seite Text reicht dafür völlig.
- Ohne Anzahlung über einen Buchungslink füllt sich ein Guest Spot langsam und leert sich schnell.
- Meldepflichten, Einverständnis mit der richtigen Studio-Adresse und Quittungen gelten auch als Gast.
Inhalt
Guest Spots sind für Artists die einfachste Art, in einer neuen Stadt sichtbar zu werden, und für Studios die einfachste Art, den Kalender zu füllen und neue Kunden ins Haus zu holen. Schiefgehen tut dabei selten das Tätowieren. Schief geht, dass die Tage zu kurzfristig angekündigt wurden, dass niemand wusste, wer das Material stellt, oder dass am Ende zwei Leute unterschiedlich gerechnet haben.
Guest Spot aus zwei Perspektiven: Artist und Studio
Für den Gastartist ist ein Guest Spot ein Verkaufstermin auf Zeit. Du reist an, hast eine feste Zahl an Tagen und musst sie gefüllt bekommen, sonst zahlst du drauf. Für das gastgebende Studio ist es umgekehrt: Ein leerer Platz kostet nichts, ein voller Gastplatz bringt Umsatz, Reichweite und Kunden, die vorher nie im Haus waren.
Daraus folgt eine klare Arbeitsteilung. Der Gast bringt Stil, Portfolio und die eigene Warteliste mit. Das Studio bringt Raum, lokales Publikum, Material vor Ort und die Anlaufstelle für Rückfragen. Beide müssen an der Ankündigung mitarbeiten, sonst funktioniert sie nicht.
Wie viel Vorlauf braucht ein Guest Spot?
- Woche 1 bis 2: Anfrage mit Portfolio, Stil, Wunschzeitraum und der Frage nach dem Abrechnungsmodell. Kurz halten, aber konkret.
- Woche 2 bis 3: Daten fixieren und schriftlich bestätigen. Erst danach Reise und Unterkunft buchen.
- Woche 3 bis 4: Buchungslink oder Anfrageformular für die Gasttage einrichten, Preisspanne und Anzahlungsregel festlegen.
- Woche 4 bis 6: Ankündigung auf beiden Kanälen, Warteliste der Stadt anschreiben, Studio-Newsletter raus.
- Woche 6 bis 8: Restplätze bewerben, Termine bestätigen, Materialliste abgleichen und Anreise planen.
Weniger als sechs Wochen geht nur, wenn du in der Stadt bereits eine Warteliste hast. Mehr als acht bis zehn Wochen schadet nicht, führt aber zu mehr Absagen, weil Leute so weit im Voraus schlecht planen.
Wie wird ein Guest Spot abgerechnet?
Es gibt zwei verbreitete Modelle plus Mischformen. Beide sind Branchenpraxis, keine Vorschrift, also verhandelbar. Wichtig ist nur, dass beide Seiten dieselbe Zahl im Kopf haben, bevor der erste Kunde auf der Liege liegt.
| Modell | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Prozent, oft 30/70 zugunsten Artist | Kein Risiko für den Gast, das Studio verdient nur bei Umsatz mit | Bei vollem Kalender teuer für den Gast, Abrechnung muss belegt sein |
| Tagesmiete fix | Planbar für beide Seiten, der Gast behält alles über der Miete | Der Gast trägt das Risiko leerer Tage |
| Tagesmiete plus Material | Klar getrennt, das Studio bleibt kostendeckend | Materialpreise müssen vorher genannt sein, sonst gibt es Diskussionen |
| Prozent mit Mindestbetrag | Deckt dem Studio die Fixkosten und lässt den Gast bei vollem Kalender profitieren | Komplexer zu erklären, braucht eine schriftliche Formel |
Der zweite Streitpunkt ist die Anzahlung. Sauber ist die Regel: Wer den Buchungslink stellt, nimmt die Anzahlungen und verrechnet sie am Ende in der Gesamtabrechnung. Läuft alles über das Studio, bekommt der Gast seinen Anteil nach den Gasttagen ausbezahlt. Läuft es über den Gast, zahlt er die Miete oder den Studioanteil am letzten Tag. Wie die Modelle im Dauerbetrieb aussehen, steht im Artikel zur Studio-Artist-Abrechnung.
Was muss vorher schriftlich geklärt sein?
- Daten und Zeiten: genaue Tage, Beginn, Ende, ob Sonntag oder Montag mitzählt.
- Anteil oder Miete: Zahl, Zahlungszeitpunkt und ob brutto oder netto gerechnet wird.
- Material: was das Studio stellt, was der Gast mitbringt, was extra kostet.
- Anzahlungen: wer sie nimmt, wie hoch sie sind und was bei Absage damit passiert.
- Storno: was gilt, wenn der Guest Spot abgesagt wird, von welcher Seite auch immer.
- Unterkunft und Reise: wer zahlt, wo geschlafen wird, ob ein Zimmer im Studio Teil der Abmachung ist.
- Kundendaten: wer die Kontakte erhält und dass sie nur für diesen Zweck genutzt werden.
- Fotos: wer fotografiert, wer posten darf, Einwilligung der Kunden vorausgesetzt.
Wie findest du Kunden für einen Guest Spot?
- Ankündigung mit Buchungslink: ein Post mit Stadt, Daten, Stilrichtung, Preisspanne und dem direkten Link. Ohne Link entstehen hundert DMs und dreissig Termine weniger.
- Warteliste nach Stadt: Wer sich bei dir gemeldet hat und in der Nähe wohnt, bekommt die Info zuerst. Mehr dazu im Artikel zur Warteliste.
- Studio-Newsletter: Der Gastgeber schreibt seine Stammkunden an, das ist der stärkste Kanal und wird am häufigsten vergessen.
- Stories und Reminder: drei Stories über zwei Wochen verteilt, jeweils mit Link, statt eines einzigen Posts.
- Restplätze zeigen: Zehn Tage vorher offen kommunizieren, was noch frei ist. Konkrete Slots buchen sich besser als 'noch Termine frei'.
Rechtliches und der Ablauf vor Ort
Als Gast tätowierst du in einem fremden Land oder Kanton, die Regeln dort gelten. In der Schweiz ist Tätowieren der kantonalen Vollzugsbehörde zu melden, in Deutschland ist das Gesundheitsamt vor Ort zuständig und die Hygieneverordnung des Bundeslandes gilt, in Österreich ist Tätowieren ein reglementiertes Gewerbe mit Gewerbeberechtigung. Kläre mit dem gastgebenden Studio vorher, was für dich gilt und was über die Berechtigung des Hauses läuft.
- Einverständnis: Die Erklärung nennt die Adresse des gastgebenden Studios und den Namen des tätowierenden Artists, nicht deine Heimatadresse.
- Quittungen: Jede Zahlung bekommt einen Beleg mit Name, Adresse, Datum, Leistung und Betrag, egal wer kassiert.
- Buchhaltung: Reise, Unterkunft und Standmiete sind Betriebsausgaben, sammle die Belege unterwegs. Details im Artikel zu Betriebsausgaben.
- Setup: Materialliste vorher abgleichen, am Anreisetag Platz einrichten, Farben und Nadeln prüfen.
- Nachsorge: Jeder Kunde bekommt den schriftlichen Text mit, plus eine Kontaktmöglichkeit, die nach deiner Abreise noch funktioniert.
- Touch-up aus der Ferne: Vorher festlegen, ob das gastgebende Studio Retuschen übernimmt, ob sie beim nächsten Besuch stattfinden und was sie kosten.
Vor der Zusage 1. Daten, Anzahl Tage und Arbeitszeiten geklärt 2. Abrechnungsmodell und Zahl schriftlich bestätigt 3. Material: was stellt das Studio, was bringst du mit 4. Anzahlungen: wer nimmt sie, wie hoch, was bei Absage 5. Unterkunft und Reisekosten geklärt 6. Meldepflicht oder Gewerberecht am Gastort geprüft Sechs bis vier Wochen vorher 7. Buchungslink oder Formular nur für die Gasttage aktiv 8. Preisspanne und Mindestpreis kommuniziert 9. Ankündigung auf beiden Kanälen veröffentlicht 10. Warteliste der Stadt und Studio-Newsletter angeschrieben Zwei Wochen vorher 11. Termine bestätigt, Restplätze konkret beworben 12. Materialliste final abgeglichen 13. Einverständnisvorlage mit Studio-Adresse vorbereitet 14. Nachsorgetext bereit, digital und gedruckt Vor Ort 15. Platz eingerichtet, Hygiene und Entsorgung geklärt 16. Quittung für jede Zahlung ausgestellt 17. Fotos nur mit Einwilligung, Rechte vorher abgesprochen Nach dem Guest Spot 18. Abrechnung innerhalb einer Woche, mit Aufstellung 19. Belege für Reise und Unterkunft abgelegt 20. Touch-up-Regel an alle Kunden kommuniziert
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Guest Spot normalerweise?
Üblich sind drei bis sieben Arbeitstage. Kürzer lohnt die Anreise selten, länger wird schwer zu füllen, wenn du in der Stadt noch keine Stammkunden hast. Viele Artists starten mit vier Tagen und verlängern beim zweiten Besuch, weil dann Wiederholungstermine und Empfehlungen dazukommen.
Wie viel Prozent nimmt ein Studio bei einem Guest Spot?
In der Praxis liegt der Studioanteil bei Guest Spots häufig bei rund 30 Prozent, der Gast behält 70. Alternativ wird eine fixe Tagesmiete vereinbart, teilweise plus Material. Beides ist Branchenpraxis und verhandelbar, entscheidend ist, dass Anteil, Materialkosten und Anzahlungen vor dem ersten Termin schriftlich feststehen.
Wer nimmt bei einem Guest Spot die Anzahlung?
Am saubersten nimmt die Anzahlung, wer den Buchungslink stellt. Läuft die Buchung über das Studio, kassiert das Studio und rechnet am Ende mit dem Gast ab. Läuft sie über den Gast, zahlt er die Miete oder den Studioanteil am letzten Tag. Wichtig ist, dass es nur einen Weg gibt.
Brauche ich für einen Guest Spot im Ausland eine Anmeldung?
Es gelten die Regeln des Gastlandes. In der Schweiz besteht eine Meldepflicht bei der kantonalen Vollzugsbehörde, in Deutschland ist das örtliche Gesundheitsamt zuständig und die Hygieneverordnung des Bundeslandes gilt, in Österreich ist Tätowieren ein reglementiertes Gewerbe. Kläre den Ablauf vorher mit dem gastgebenden Studio und der Behörde.
Wie fülle ich einen Guest Spot mit Kunden?
Kündige sechs bis vier Wochen vorher mit Stadt, Daten, Stil und Preisspanne an und stelle einen Buchungslink dazu, damit Anfragen sofort zu Terminen werden. Schreibe deine Warteliste für diese Stadt gezielt an und bitte das gastgebende Studio, seinen Newsletter zu nutzen. Zehn Tage vorher bewirbst du konkrete Restplätze.
Wer macht das Touch-up nach einem Guest Spot?
Das muss vorher geregelt sein, weil du nach der Abreise nicht mehr vor Ort bist. Übliche Lösungen: Retusche beim nächsten Guest Spot im selben Studio, Übernahme durch einen Artist des gastgebenden Studios nach Absprache, oder eine Gutschrift. Teile die Regel jedem Kunden zusammen mit der Nachsorge mit.
Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026.




