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Studio und Artist abrechnen: Prozentmodell, Platzmiete oder Tagesmiete

Aktualisiert am 9. September 2026

Kurz gesagt

Studios und Artists rechnen in der Praxis auf drei Arten ab: über Prozente vom Umsatz (oft 50/50 bis 70/30 zugunsten des Artists), über eine feste Platzmiete pro Monat oder über eine Tagesmiete. Prozente sind fair bei schwankender Auslastung, weil das Studio das Risiko mitträgt. Eine feste Miete lohnt sich, sobald du gut ausgelastet bist und deine Kunden selbst mitbringst. Entscheidend ist weniger die Zahl als die schriftliche Vereinbarung dahinter.

Das Wichtigste in Kürze
  • Prozente verteilen das Risiko, eine feste Miete belohnt Auslastung. Beides ist üblich, keines ist grundsätzlich fairer.
  • Rechne dein Modell einmal mit einem schwachen und einmal mit einem starken Monat durch, bevor du unterschreibst.
  • Material, Anzahlungen, Abrechnungsrhythmus und Kündigungsfrist gehören schriftlich fest, sonst streitet ihr genau darüber.
  • Wem die Kundendaten gehören, ist der teuerste Punkt, wenn jemand geht. Kläre ihn am ersten Tag.
  • Jede Session braucht eine Quittung, sonst wird der Monatsabschluss zur Rekonstruktion aus Erinnerung.
Inhalt
  1. Die drei Modelle in der Praxis
  2. Was liefert das Studio für seinen Anteil?
  3. Welches Modell passt zu wem?
  4. Beispielrechnung bei 8'000 CHF oder Euro Umsatz
  5. Was gehört schriftlich festgehalten?
  6. Abrechnung im Alltag und typische Streitpunkte

Kaum ein Thema sorgt in Studios für mehr Unmut als die Abrechnung. Nicht weil die Modelle kompliziert wären, sondern weil sie oft nur mündlich vereinbart sind. Solange alles läuft, merkt das niemand. Sobald ein Termin platzt, eine Anzahlung verschwindet oder jemand das Studio verlässt, fehlt die Grundlage.

Die drei Modelle in der Praxis

In der Branche haben sich drei Varianten durchgesetzt. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer das Risiko eines leeren Kalenders trägt.

  • Prozentmodell: Der Artist behält einen Anteil vom Umsatz jeder Session, das Studio bekommt den Rest. Üblich sind Aufteilungen zwischen 50/50 und 70/30 zugunsten des Artists. Ist der Monat schwach, verdient auch das Studio weniger.
  • Feste Platzmiete: Der Artist zahlt einen fixen Betrag pro Monat für seinen Platz und behält den ganzen Umsatz. Das Studio hat planbare Einnahmen, der Artist trägt das Auslastungsrisiko allein.
  • Tagesmiete: Bezahlt wird nur für die Tage, an denen tatsächlich gearbeitet wird. Das passt für Teilzeit, für den Einstieg und für Guest Spots, oft kombiniert mit einer Materialpauschale.

Mischformen sind ebenfalls verbreitet. Häufig ist eine reduzierte Platzmiete plus ein kleiner Prozentsatz, oder Prozente in den ersten Monaten mit dem Wechsel auf eine feste Miete, sobald der Kalender trägt. Solche Übergänge sind meist die fairste Lösung, weil sie das Risiko dorthin verschieben, wo es tragbar ist. Wichtig ist nur, dass der Wechselzeitpunkt und die Bedingung dafür von Anfang an feststehen.

Was liefert das Studio für seinen Anteil?

Ein Prozentsatz ohne Gegenleistung ist schwer zu verteidigen. Bevor ihr über Zahlen redet, schreibt auf, was im Anteil enthalten ist. Genau diese Liste macht später den Unterschied zwischen einem fairen und einem teuren Deal.

  • Arbeitsplatz, Liege, Strom, Reinigung, Entsorgung von Nadeln und Abfall
  • Empfang, Telefon, Beantwortung von Anfragen, Terminvergabe
  • Verbrauchsmaterial ganz, teilweise oder gar nicht, das muss ausdrücklich geklärt sein
  • Marketing, Instagram-Account des Studios, Laufkundschaft und Walk-ins
  • Software, Buchungssystem, Zahlungsterminal und Versicherung des Betriebs

Rechne die Punkte einmal in Geld um. Wenn das Studio Material im Wert von 400 im Monat stellt, den Empfang macht und Walk-ins verteilt, ist ein Anteil von 40 Prozent etwas anderes als bei einem Platz ohne jede Leistung. Erst diese Umrechnung macht zwei Angebote vergleichbar.

Welches Modell passt zu wem?

ModellVorteilNachteilPasst für
ProzenteKein Fixkostenrisiko, Studio hat Interesse an deiner AuslastungBei voller Auslastung teuer, Transparenz über Umsätze nötigEinstieg, Aufbauphase, schwankende Monate
PlatzmieteAlles über der Miete gehört dir, klare KalkulationMiete läuft auch in Ferien und ruhigen MonatenEtablierte Artists mit eigenen Kunden
TagesmieteNur zahlen, wenn du arbeitest, sehr flexibelPro Tag am teuersten, Platz oft nicht garantiertTeilzeit, Guest Spots, Probephasen

Beispielrechnung bei 8'000 CHF oder Euro Umsatz

Nimm einen Monat mit 8'000 CHF oder Euro Umsatz und rechne die drei Modelle gegeneinander. Die Zahlen sind Beispiele, keine Marktpreise, aber die Verhältnisse stimmen.

ModellAns StudioBeim ArtistMaterial
60/40 Prozente3'2004'800meist Studio
Platzmiete 1'200 im Monat1'2006'800Artist selbst
Tagesmiete 90 an 16 Tagen1'4406'560Artist selbst

Auf den ersten Blick gewinnt die Platzmiete klar. Rechne denselben Monat aber mit 3'000 Umsatz durch: Bei Prozenten bleiben dir 1'800, bei Platzmiete nur 1'800 minus Material. Ein Krankheitsmonat oder eine Verletzung an der Hand dreht das Bild sofort. Wie du deine Preise so ansetzt, dass beide Modelle tragen, steht im Artikel zur Preiskalkulation.

Was gehört schriftlich festgehalten?

Die Vereinbarung muss kein Vertragswerk sein. Eine Seite, von beiden unterschrieben, reicht in den meisten Fällen und verhindert die häufigsten Konflikte.

Checkliste Studio-VereinbarungVorlage
1. Modell und Zahl: Prozentsatz, Monatsmiete oder Tagessatz, brutto oder netto.
2. Material: Wer stellt Farben, Nadeln, Grips, Folie, Reinigung? Was zahlt der Artist selbst?
3. Anzahlungen: Wer nimmt sie entgegen, auf welches Konto gehen sie, was passiert bei Absage?
4. Abrechnungsrhythmus: pro Session, wöchentlich oder monatlich, Zahlungsfrist in Tagen.
5. Belege: Jede Session bekommt eine Quittung, beide Seiten sehen dieselben Zahlen.
6. Arbeitszeiten: fixe Tage, Zugang zum Studio, Umgang mit Ferien und Abwesenheiten.
7. Walk-ins: Wie werden Laufkunden verteilt, gilt für sie ein anderer Anteil?
8. Kundendaten: Wem gehören Kontakte und Termine, was passiert damit bei einem Weggang?
9. Social Media: Wer postet welche Fotos, wie wird verlinkt und markiert?
10. Kündigungsfrist: beidseitig, in Wochen oder Monaten, plus Regelung für laufende Projekte.
11. Versicherung: Wer ist wofür versichert, Haftpflicht des Artists und des Betriebs.
12. Änderungen: nur schriftlich, mit Datum und Unterschrift beider Seiten.

Abrechnung im Alltag und typische Streitpunkte

Die beste Vereinbarung nützt nichts, wenn niemand mitschreibt. Der Ablauf, der in der Praxis funktioniert, ist simpel: Jede Session wird beim Abschluss erfasst, mit Preis, Zahlungsart und verrechneter Anzahlung. Am Monatsende steht die Summe fest, bevor jemand rechnet. Mehr dazu in den Grundlagen der Buchhaltung.

Beide Seiten brauchen dabei Zugriff auf dieselben Zahlen, nicht auf zwei getrennte Listen. Ein gemeinsamer Blick auf Umsatz und Anteile dauert wenige Minuten und ersetzt jede Diskussion darüber, wer sich falsch erinnert. Wer eine gepflegte Kundenkartei führt, sieht ausserdem sofort, welche Termine noch offen sind.

  • Bargeld ohne Beleg: Der häufigste Streitpunkt überhaupt. Wenn Bar nicht sofort erfasst wird, steht am Monatsende Aussage gegen Aussage.
  • Anzahlungen beim Studio: Wenn Anzahlungen auf das Studio-Konto laufen, müssen sie bei der Abrechnung sichtbar bleiben. Regelt das zusammen mit euren Anzahlungsregeln.
  • Guest Spots: Für Gastartists gelten oft andere Anteile, etwa 30/70 oder Tagesmiete plus Material. Schreibt das vor der Anreise fest, nicht danach.
  • Touch-ups: Kostenlose Nachstech-Termine binden Zeit ohne Umsatz. Klärt vorher, ob dafür Miete oder Anteil anfällt.
  • Ferien und Krankheit: Bei Platzmiete läuft der Betrag weiter, wenn nichts anderes vereinbart ist. Ein Freimonat pro Jahr ist eine gängige Lösung.
FAQ

Häufige Fragen

Wie viel Prozent nimmt ein Tattoo Studio vom Artist?

In der Branche sind Aufteilungen zwischen 50/50 und 70/30 zugunsten des Artists üblich. Wie hoch der Anteil ausfällt, hängt davon ab, was das Studio stellt: Material, Empfang, Marketing und Laufkundschaft rechtfertigen einen höheren Anteil als ein blosser Arbeitsplatz. Feste Marktpreise gibt es nicht, verhandelt wird individuell.

Was ist besser, Platzmiete oder Prozente?

Prozente sind sicherer, solange deine Auslastung schwankt, weil das Studio in schwachen Monaten mitverdient und mitverliert. Eine feste Platzmiete lohnt sich, sobald du regelmässig gut gebucht bist und deine Kunden selbst mitbringst. Rechne beide Modelle mit einem schwachen und einem starken Monat durch, bevor du dich entscheidest.

Wer bekommt die Anzahlung, Studio oder Artist?

Das ist reine Vereinbarungssache und muss vorher schriftlich geklärt sein. Häufig läuft die Anzahlung über das Konto, das auch die Buchung entgegennimmt, und wird beim Abschluss der Session gegen den Restbetrag verrechnet. Wichtig ist, dass sie in der Monatsabrechnung sichtbar bleibt und bei Absagen klar zugeordnet ist.

Wem gehören die Kundendaten im Tattoo Studio?

Das ist der teuerste offene Punkt, wenn ein Artist geht, darum gehört er in die Vereinbarung. Üblich ist, dass jeder Artist seine eigenen Kunden behält und das Studio die Kontakte aus Walk-ins und der Studio-Anfragebox führt. Datenschutzrechtlich braucht jede Weitergabe von Kontakten eine saubere Grundlage.

Was kostet eine Tagesmiete im Tattoo Studio?

Tagesmieten werden individuell vereinbart und liegen je nach Stadt, Lage und Ausstattung sehr unterschiedlich. Sie sind pro Arbeitstag gerechnet fast immer teurer als eine Monatsmiete, dafür zahlst du nur für Tage, an denen du wirklich arbeitest. Kläre vorher, ob Material und Reinigung enthalten sind.

Braucht es einen schriftlichen Vertrag zwischen Studio und Artist?

Rechtlich sind mündliche Absprachen oft gültig, praktisch sind sie ein Risiko für beide Seiten. Eine Seite Papier mit Modell, Materialregelung, Anzahlungen, Abrechnungsrhythmus, Kündigungsfrist und Kundendaten verhindert die meisten Konflikte. Lass die Vereinbarung im Zweifel von einer Fachperson prüfen, gerade bei längerer Zusammenarbeit.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026.

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