RatgeberTermine & Buchung6 Min. Lesezeit

Walk-in oder Termin: So lastest du dein Tattoo-Studio ohne Leerlauf aus

Aktualisiert am 12. September 2026

Kurz gesagt

Es gibt drei Modelle: nur nach Termin, nur Walk-in und die Hybrid-Variante mit festen Walk-in-Tagen oder Nachmittagen. Für die meisten Studios ist der Hybrid am stabilsten, weil grosse Custom-Projekte planbar bleiben und Walk-ins die Lücken füllen. Rechne dazu deine Auslastung: Bei 5 Tagen mit je 6 tätowierbaren Stunden sind 30 Stunden möglich, ein realistisches Ziel liegt bei rund 75 Prozent, also gut 22 verkauften Stunden pro Woche.

Das Wichtigste in Kürze
  • Auslastung misst du an tätowierbaren Stunden, nicht an Öffnungszeiten. 100 Prozent sind kein Ziel.
  • Walk-ins funktionieren nur mit Flash-Sheets, Mindestpreis und einer klaren Reihenfolge.
  • Ein Hybrid mit festen Walk-in-Tagen hält grosse Projekte planbar und füllt trotzdem die schwachen Stunden.
  • Lücken füllst du am schnellsten aus einer gepflegten Warteliste und über Last-Minute-Slots im Buchungslink.
  • Drei Zahlen pro Woche reichen: Auslastung, offener Umsatz, No-Show-Rate.
Inhalt
  1. Welche Modelle gibt es: nur Termin, nur Walk-in oder Hybrid?
  2. Wie rechnest du deine Auslastung aus?
  3. Walk-in-Regeln, die den Tag ruhig halten
  4. Das Terminmodell mit Puffer und Beratungsslots
  5. So füllst du Lücken im Kalender
  6. Diese drei Kennzahlen schaust du wöchentlich an

Zwei Studios mit derselben Nachfrage können sehr unterschiedlich dastehen. Das eine ist drei Monate ausgebucht und hat trotzdem jede Woche fünf leere Stunden, weil eine Absage nie ersetzt wird. Das andere hat weniger Anfragen, aber kaum Löcher im Tag. Der Unterschied ist selten das Talent, sondern das Buchungsmodell.

Welche Modelle gibt es: nur Termin, nur Walk-in oder Hybrid?

Das Terminmodell verkauft Zeit im Voraus. Es passt zu grossen Custom-Projekten, zu Artists mit klarer Handschrift und zu Studios in Lagen ohne Laufkundschaft. Es steht und fällt mit Anzahlung und Erinnerung, weil jede Absage eine Lücke reisst, die niemand automatisch füllt.

Das Walk-in-Modell verkauft Zeit sofort. Es braucht Lage, Sichtbarkeit und ein Angebot, das ohne Vorgespräch funktioniert, also Flash-Sheets und kleine Motive. Der Vorteil ist die geringe Vorarbeit, der Nachteil sind Tage, an denen niemand kommt.

Der Hybrid kombiniert beides mit klarer Trennung: feste Walk-in-Tage oder Walk-in-Nachmittage, der Rest der Woche nach Termin. Diese Trennung ist der entscheidende Punkt, weil ein Walk-in mitten in einer Ganztagessession niemandem hilft.

Nur TerminNur Walk-inHybrid
PlanbarkeitHochNiedrigMittel bis hoch
Risiko für LeerlaufGross bei AbsagenGross an schwachen TagenKleiner, weil zwei Quellen
Passende MotiveGrosse Custom-ProjekteFlash und kleine MotiveBeides, nach Tagen getrennt
Aufwand vorherAnfragen, Anzahlung, ErinnerungGeringGetrennt nach Tagesart
Aufwand am Tag selbstGeringHoch, viel Beratung vor OrtJe nach Tagesart
Laufkundschaft nötigNeinJa, gute LageHilfreich
Umsatz pro StundePlanbarSchwankendGleicht sich aus

Wie rechnest du deine Auslastung aus?

Auslastung misst sich an tätowierbaren Stunden, nicht an Öffnungszeiten. Zeichnen, Anfragen beantworten, Aufbau und Reinigung gehören nicht dazu. Ein realistischer Wert für einen Vollzeit-Artist sind 6 tätowierbare Stunden an 5 Tagen, also 30 Stunden pro Woche.

  1. Kapazität festlegen: 5 Tage mal 6 Stunden ergibt 30 tätowierbare Stunden pro Woche.
  2. Ziel setzen: 75 Prozent davon sind 22,5 verkaufte Stunden. Das lässt Luft für Zeichnen, Admin und Pausen.
  3. Umsatz ableiten: Bei 150 CHF oder Euro Stundensatz sind das rund 3'375 pro Woche.
  4. Wöchentlich abgleichen: Trag am Freitag ein, wie viele Stunden wirklich verkauft waren. Zwei Wochen unter 60 Prozent sind ein Signal, keine Panik.

100 Prozent sind kein Ziel, sondern ein Warnzeichen. Wer jede Stunde verkauft, hat keinen Puffer für Überziehungen, keine Zeit zum Zeichnen und keinen Platz für einen kurzfristigen Nachrücker. Wie du daraus eine echte Prognose machst, steht im Artikel zur Umsatzplanung.

Walk-in-Regeln, die den Tag ruhig halten

  • Flash-Sheets statt Custom: 20 bis 40 vorgezeichnete Motive mit Fixpreis. Ohne Vorlage wird jeder Walk-in zur Beratung.
  • Mindestpreis nennen: Sichtbar am Eingang und im Post. Das filtert vor und erspart dir das Gespräch über 20-Euro-Tattoos.
  • First come, first serve: Keine telefonischen Reservierungen an Walk-in-Tagen, sonst hast du wieder Termine ohne Anzahlung.
  • Warteliste vor Ort: Name, Motiv, Handynummer. Die Leute können weggehen und werden zurückgerufen, statt eine Stunde im Studio zu stehen.
  • Feste Endzeit: Letzte Aufnahme zwei Stunden vor Schluss, sonst sitzt du regelmässig bis 22 Uhr.
  • Einverständnis und Ausweis: Auch bei einem 30-Minuten-Motiv gehört die Dokumentation dazu.

Der Preis ist bei Walk-ins wichtiger als bei Terminen, weil du nicht nachverhandeln kannst, wenn schon jemand auf dem Stuhl sitzt. Rechne deinen Mindestpreis vorher sauber durch, siehe Preise kalkulieren.

Aushang und Post für deinen Walk-in-TagVorlage
Walk-in-Samstag, 12 bis 18 Uhr, ohne Voranmeldung.
Es gibt rund 30 vorgezeichnete Flash-Motive zur Auswahl, Fixpreise stehen am Motiv.
Mindestpreis 120 CHF oder Euro, Zahlung mit Karte oder bar.
Wir arbeiten der Reihe nach: Du trägst dich vorne ein, bekommst eine ungefähre Zeit und wir rufen dich an, wenn du dran bist.
Letzte Aufnahme um 16 Uhr, mitbringen musst du nur einen gültigen Ausweis.

Das Terminmodell mit Puffer und Beratungsslots

Wer nach Termin arbeitet, plant den Tag am besten in Blöcken statt in Minuten. Ein Ganztagesprojekt bekommt den Tag, zwei mittlere Sessions teilen ihn, und dazwischen liegen 30 Minuten Puffer. Ohne Puffer schiebt sich jede Überziehung in den nächsten Termin.

Beratungen gehören in eigene, kurze Slots, idealerweise gebündelt an einem Nachmittag. Zwanzig Minuten reichen für die meisten Gespräche, und wenn sie über einen Buchungslink laufen, entfällt die Terminsuche per Nachricht komplett.

So füllst du Lücken im Kalender

  1. Warteliste zuerst: Fünf gezielte Nachrichten an Leute, die auf kurzfristige Termine warten, schlagen jede Story. Wie du diese Liste führst, steht im Artikel zur Warteliste.
  2. Last-Minute-Slots über den Buchungslink: Gib die freie Zeit einfach frei und poste den Link. Wer zuerst bucht und anzahlt, bekommt den Slot.
  3. Touch-ups in schwache Stunden: Retusche-Termine sind kurz und unbezahlt, deshalb gehören sie in Zeiten, die du sonst nicht verkaufst.
  4. Flash-Angebote für kurze Fenster: Zwei Stunden Lücke am Donnerstag lassen sich mit einem kleinen Flash-Motiv besser füllen als mit einem Projekt.
  5. Zeichenzeit als Plan B: Wenn nichts geht, wird die Lücke zur bewusst genutzten Vorbereitungszeit statt zu verlorener Zeit.

Diese drei Kennzahlen schaust du wöchentlich an

  • Auslastung in Prozent: Verkaufte tätowierbare Stunden geteilt durch mögliche. Der Trend über vier Wochen sagt mehr als eine einzelne Woche.
  • Offener Umsatz: Summe der bereits gebuchten, aber noch nicht bezahlten Termine. Das ist dein Blick auf die nächsten Wochen.
  • No-Show-Rate: Anteil der Termine, bei denen niemand erschienen ist. Steigt sie, fehlt meist die Anzahlung oder die Erinnerung.

Drei Zahlen reichen, wenn du sie jede Woche am selben Tag anschaust. Ein Dashboard hilft dabei, aber ein Blatt Papier tut es auch. Entscheidend ist die Regelmässigkeit, nicht das Werkzeug.

Notiere dir daneben in einem Satz, warum eine Woche schwach war. Ferien, Krankheit, ein Guest Spot oder schlicht zu wenige Anfragen führen zur selben Zahl, verlangen aber ganz unterschiedliche Reaktionen. Nach einem halben Jahr hast du damit ein Bild deiner Saison, das jede Prognose besser macht.

FAQ

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Walk-in-Tag im Tattoo-Studio?

Wenn deine Lage Laufkundschaft hat und du mit Flash-Sheets arbeitest, meistens ja. Walk-in-Tage füllen Stunden, die sich für grosse Projekte schlecht verkaufen, und bringen neue Kunden ins Studio. Ohne Flash, ohne Mindestpreis und ohne feste Reihenfolge kippt der Tag schnell in unbezahlte Beratung.

Wie hoch sollte die Auslastung in einem Tattoo-Studio sein?

Rund 70 bis 80 Prozent der tätowierbaren Stunden ist ein realistisches Ziel. Rechne mit 5 Tagen zu je 6 Stunden, also 30 möglichen Stunden pro Woche. Bei 75 Prozent sind das gut 22 verkaufte Stunden. Höhere Werte lassen keinen Raum mehr für Zeichnen, Überziehungen und kurzfristige Nachrücker.

Wie vermeide ich Leerlauf zwischen zwei Terminen?

Plane in Blöcken statt in einzelnen Stunden und lege Beratungen sowie Touch-ups gebündelt in die Zeiten, die sich für lange Sessions ohnehin schlecht verkaufen. Kurzfristige Lücken füllst du am schnellsten über eine Warteliste und über Last-Minute-Slots in deinem Buchungslink mit Anzahlung.

Soll ich an Walk-in-Tagen Reservierungen annehmen?

Besser nicht. Eine telefonische Reservierung ohne Anzahlung ist ein Termin ohne Verbindlichkeit, und genau das wolltest du am Walk-in-Tag vermeiden. Arbeite mit einer Warteliste vor Ort: Name, Motiv und Handynummer aufnehmen, die Leute können weggehen und werden zurückgerufen, wenn sie dran sind.

Welche Preise sind bei Walk-in-Tattoos üblich?

Studios arbeiten dabei fast immer mit Fixpreisen pro Flash-Motiv und einem Mindestpreis, im DACH-Raum meist zwischen 80 und 150 CHF oder Euro. Der Mindestpreis deckt Material, Vorbereitung und Reinigung ab. Nenne beides sichtbar am Eingang und in deinen Posts, dann entfallen die meisten Preisdiskussionen.

Welche Zahlen sollte ich als Tattoo Artist wöchentlich anschauen?

Drei reichen: die Auslastung in Prozent, der offene Umsatz aus bereits gebuchten Terminen und die No-Show-Rate. Schau sie immer am selben Wochentag an und beurteile den Trend über vier Wochen. Eine einzelne schwache Woche sagt wenig, vier in Folge sind ein klares Signal.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 12. September 2026.

Weiterlesen

Passende Artikel

Weniger Admin. Mehr Tätowieren.

Buchungslink, Anzahlungen, KI-Mail-Assistent und digitales Einverständnis an einem Ort. 14 Tage gratis, jederzeit kündbar.