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Umsatz planen als Tattoo Artist: Auslastung, Prognose und ruhige Monate

Aktualisiert am 9. September 2026

Kurz gesagt

Um deinen Umsatz als Tattoo Artist zu planen, brauchst du drei Zahlen: deine tätowierbaren Stunden pro Monat, deine Auslastung in Prozent und den Durchschnittsumsatz pro Session. Die Auslastung berechnest du als getätowierte Stunden geteilt durch tätowierbare Stunden. Aus den bereits gebuchten Terminen ergibt sich dein offener Umsatz, und mit den Preisspannen daraus eine Prognose in drei Szenarien. Wer diese Zahlen einmal pro Woche anschaut, sieht ruhige Monate sechs Wochen früher als der Kontostand.

Das Wichtigste in Kürze
  • Drei Zahlen genügen: tätowierbare Stunden, Auslastung in Prozent und Durchschnittsumsatz pro Session.
  • Auslastung ist getätowierte Stunden geteilt durch tätowierbare Stunden, nicht durch die Stunden, die du im Studio verbringst.
  • Der offene Umsatz aus gebuchten Terminen ist die ehrlichste Prognose, die du hast. Rechne ihn in min, mid und max.
  • Ruhige Monate füllst du sechs bis acht Wochen vorher, nicht in der Woche selbst.
  • Drei Monate Fixkosten als Rücklage nehmen den Druck aus schwachen Monaten und aus deiner Preisverhandlung.
Inhalt
  1. Die drei Zahlen, die du kennen musst
  2. Wie berechnest du deine Auslastung?
  3. Was sagt dir der offene Umsatz?
  4. Was bleibt vom Umsatz übrig?
  5. Warum sind manche Monate immer ruhig?
  6. Ruhige Monate füllen, bevor sie da sind
  7. Deine Routine in zehn Minuten pro Woche

Die meisten Artists messen ihren Erfolg am Kontostand. Das Problem daran: Der Kontostand erzählt von der Vergangenheit. Wenn er sinkt, ist der schwache Monat schon gelaufen und die Gegenmassnahme kommt zu spät. Mit drei Zahlen siehst du dasselbe Bild sechs bis acht Wochen früher.

Die drei Zahlen, die du kennen musst

  • Tätowierbare Stunden: die Stunden im Monat, in denen du tatsächlich an der Maschine sitzen kannst. Nicht deine Arbeitszeit, denn Zeichnen, Anfragen, Aufbau und Reinigung gehören nicht dazu.
  • Auslastung: welcher Anteil dieser Stunden wirklich gebucht war, in Prozent. Diese Zahl zeigt, ob du ein Preisproblem oder ein Nachfrageproblem hast.
  • Durchschnittsumsatz pro Session: dein Umsatz geteilt durch die Anzahl abgeschlossener Sessions. Damit rechnest du jede Lücke im Kalender direkt in Geld um.

Ein Beispiel: Du tätowierst an vier Tagen pro Woche jeweils sechs Stunden. Das sind 24 Stunden pro Woche und rund 96 im Monat. Wenn davon 62 Stunden gebucht waren, liegt deine Auslastung bei 65 Prozent. Bei einem Durchschnittsumsatz von 520 pro Session und 14 Sessions kommst du auf 7'280 CHF oder Euro.

Wie berechnest du deine Auslastung?

Die Formel ist simpel: getätowierte Stunden geteilt durch tätowierbare Stunden, mal 100. Der häufigste Fehler steckt im Nenner. Wer alle Stunden im Studio einrechnet, kommt auf frustrierend tiefe Werte, obwohl der Kalender in Wahrheit gut gefüllt ist. Miss also nur die Zeit, die du überhaupt verkaufen kannst.

Genauso wichtig ist, was du mit dem Ergebnis machst. Eine tiefe Auslastung bei vollem Anfragestrom heisst, dass zu viele Anfragen unterwegs verloren gehen. Eine hohe Auslastung bei knappem Einkommen heisst, dass deine Preise nicht tragen, mehr dazu in der Preiskalkulation. Ob du Lücken lieber mit Walk-ins füllst, behandelt der Artikel zu Walk-in oder Termin.

Was sagt dir der offene Umsatz?

Offener Umsatz ist die Summe aller schon gebuchten, aber noch nicht abgeschlossenen Termine. Weil Tattoo-Preise oft Spannen sind, rechnest du drei Szenarien statt einer Zahl. Das ist ehrlicher als ein Durchschnitt und zeigt dir sofort, wie gross dein Spielraum ist.

  • Min: alle gebuchten Termine am unteren Ende ihrer Preisspanne, abzüglich eines Puffers für Absagen.
  • Mid: die Mitte jeder Spanne, das ist dein realistischer Erwartungswert.
  • Max: alle Termine am oberen Ende, plus die Sessions, die erfahrungsgemäss verlängert werden.

Ein Beispiel: Für den nächsten Monat stehen zwölf Termine mit Spannen zwischen 400 und 700. Min liegt dann bei 4'800, max bei 8'400, die Mitte bei 6'600. Wenn deine Fixkosten bei 3'200 liegen, weisst du sofort, dass selbst das schwache Szenario trägt. Liegt min unter den Fixkosten, hast du noch vier Wochen Zeit zu reagieren.

Was bleibt vom Umsatz übrig?

Umsatz ist nicht Einkommen, und diese Verwechslung ist der Grund für die meisten bösen Überraschungen. Zieh von jedem Monatsumsatz vier Blöcke ab, bevor du eine Zahl als deinen Lohn betrachtest.

  • Anteil oder Miete: Prozente ans Studio oder die Platzmiete, je nach Modell deiner Abrechnung.
  • Material und Fixkosten: Farben, Nadeln, Verbrauch, Versicherungen, Software, Telefon.
  • Steuern und Sozialversicherung: die Rücklage, die du jede Woche wegbuchst, statt sie am Jahresende zu suchen.
  • Investitionen: Maschine, Möbel, Weiterbildung, Conventions. Diese Posten kommen unregelmässig und treffen sonst genau den schwachen Monat.

Erst was danach übrig bleibt, ist deine Planungsgrösse. Wenn du diese Zahl kennst, kannst du deine Prognose direkt gegen dein privates Minimum halten und siehst, wie viele Sessions ein Monat wirklich braucht.

Warum sind manche Monate immer ruhig?

Fast jeder Kalender im DACH-Raum zeigt dasselbe Muster. Januar und Februar sind oft ruhig, weil im Dezember viel Geld ausgegeben wurde. Vom Frühling bis in den Herbst zieht es an, im Sommer vor den Ferien besonders stark. Conventions verschieben Wochen zusätzlich, weil du dort arbeitest statt im Studio.

Das ist eine Beobachtung aus der Praxis, keine Regel, und in deinem Kalender kann es anders aussehen. Genau deshalb lohnt es sich, den Umsatz pro Monat über zwei Jahre nebeneinanderzulegen. Dein eigenes Muster ist verlässlicher als jede Branchenweisheit.

Ruhige Monate füllen, bevor sie da sind

  1. Flash-Tage ansetzen. Kleine, vorgezeichnete Motive zu festen Preisen füllen Lücken schnell und bringen neue Gesichter ins Studio.
  2. Warteliste aktivieren. Wer schon einmal angefragt hat und keinen Slot bekam, ist der günstigste Kunde, den du hast. Mehr dazu bei der Warteliste.
  3. Inaktive Kunden anschreiben. Ein kurzer Newsletter an Kunden, die seit einem Jahr nicht da waren, wirkt oft besser als bezahlte Werbung.
  4. Touch-up-Fenster öffnen. Nachstech-Termine binden Bestandskunden und füllen Randzeiten, siehe Touch-ups.
  5. Ferien in die schwachen Wochen legen. Wenn Februar ohnehin ruhig ist, ist er der beste Monat für zwei Wochen frei, statt im vollen Juni.

Deine Routine in zehn Minuten pro Woche

KennzahlFormelRichtwert
Tätowierbare StundenTage pro Woche mal Stunden pro Tag mal 4realistisch ansetzen, nicht maximal
Auslastunggetätowierte Stunden geteilt durch tätowierbare Stundenviele planen mit 60 bis 80 Prozent
Umsatz pro SessionMonatsumsatz geteilt durch Sessionssollte über die Monate stabil sein
Offener UmsatzSumme der Preisspannen gebuchter Terminemin über den Fixkosten
Ausfallquoteabgesagte Termine geteilt durch alle Termineso tief wie möglich halten
RücklageFixkosten pro Monat mal 3drei Monatsausgaben auf dem Konto

Einmal pro Woche schaust du auf Auslastung und offenen Umsatz für die nächsten acht Wochen. Einmal pro Monat trägst du Umsatz, Sessions und Ausfälle in dieselbe Liste ein. Nach einem halben Jahr hast du deine eigene Saisonkurve und musst nicht mehr raten.

Zehn Minuten reichen dafür völlig, wenn die Zahlen schon irgendwo stehen. Der Aufwand entsteht nur beim ersten Mal, wenn du die Werte aus Kalender, Quittungen und Kontoauszügen zusammensuchst. Danach ist es Routine, und genau diese Routine unterscheidet einen geplanten Monat von einem, der einfach passiert ist.

FAQ

Häufige Fragen

Wie berechne ich die Auslastung als Tattoo Artist?

Teile die tatsächlich getätowierten Stunden eines Monats durch deine tätowierbaren Stunden und multipliziere mit 100. Tätowierbare Stunden sind nur die Zeit an der Maschine, nicht Zeichnen, Anfragen oder Reinigung. Bei 96 möglichen und 62 gebuchten Stunden liegt die Auslastung bei rund 65 Prozent.

Wie viel Umsatz macht ein Tattoo Artist im Monat?

Das hängt von Stundensatz, Auslastung und Sessionlänge ab und schwankt stark zwischen Städten und Stilen. Rechne lieber deine eigene Zahl: tätowierbare Stunden mal Auslastung mal Stundensatz. Genau dieser Weg zeigt dir auch, welcher Hebel bei dir am meisten bringt, die Auslastung oder der Preis.

Was ist offener Umsatz und wie nutze ich ihn?

Offener Umsatz ist die Summe aller gebuchten, aber noch nicht abgeschlossenen Termine. Weil Tattoos oft Preisspannen haben, rechnest du min, mid und max statt einer Zahl. Liegt das Min-Szenario für den nächsten Monat unter deinen Fixkosten, hast du noch Wochen Zeit, Lücken aktiv zu füllen.

Welche Monate sind im Tattoo-Studio ruhig?

In vielen Studios im deutschsprachigen Raum sind Januar und Februar nach den Feiertagen ruhiger, während es vom Frühling bis in den Herbst anzieht. Das ist eine Beobachtung und keine Regel. Verlässlicher ist dein eigener Verlauf: Stell den Monatsumsatz von zwei Jahren nebeneinander und lies dein Muster daraus ab.

Wie fülle ich kurzfristig freie Termine?

Am schnellsten wirken Flash-Tage mit vorgezeichneten Motiven zu festen Preisen und eine Nachricht an deine Warteliste. Danach kommen ein kurzer Newsletter an Kunden, die länger nicht da waren, und geöffnete Touch-up-Fenster. Wichtig ist der Vorlauf: sechs bis acht Wochen wirken deutlich besser als drei Tage.

Wie viel Rücklage brauche ich als selbstständiger Tattoo Artist?

Eine verbreitete Faustregel sind drei Monate Fixkosten auf einem separaten Konto, zusätzlich zur Rücklage für Steuern und Sozialversicherung. Zähle dafür Miete, Versicherungen, Software, Material und dein privates Minimum zusammen. Der Puffer schützt nicht nur vor schwachen Monaten, sondern auch vor Aufträgen, die du eigentlich ablehnen willst.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026.

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