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Tattoo-Preise kalkulieren: So findest du einen Stundensatz, der dich trägt

Aktualisiert am 9. September 2026

Kurz gesagt

Ein tragfähiger Stundensatz entsteht nicht aus dem Marktvergleich, sondern aus deiner eigenen Rechnung: Wunsch-Nettoeinkommen plus Sozialversicherung und Steuern plus Fixkosten plus Material, geteilt durch die Stunden, die du wirklich am Kunden bist. Realistisch sind das bei 40 Arbeitsstunden pro Woche nur 20 bis 25 Stunden. Im DACH-Raum liegen Stundensätze meist zwischen 120 und 250 CHF oder Euro, Mindestpreise zwischen 80 und 150.

Das Wichtigste in Kürze
  • Rechne von hinten: Wunsch-Netto plus Abgaben plus Fixkosten plus Material, geteilt durch tätowierbare Stunden.
  • Von 40 Wochenstunden sind meist nur 20 bis 25 am Kunden. Wer mit 40 rechnet, halbiert seinen Stundensatz.
  • Ein Mindestpreis deckt Setup, Material und Rüstzeit ab, unabhängig davon, wie klein das Motiv ist.
  • Preisspanne in der Anfrage, Festpreis erst nach Skizze und Stelle. Das schützt beide Seiten.
  • Nachkalkulation nach jeder Session: geplante Stunden gegen tatsächliche Stunden, sonst merkst du nie, wo du verlierst.
Inhalt
  1. Warum reicht der Blick auf die Konkurrenz nicht?
  2. Wie berechnest du deinen Stundensatz?
  3. Wie viele Stunden tätowierst du wirklich?
  4. Beispielrechnung mit Zahlen
  5. Warum brauchst du einen Mindestpreis?
  6. Stundensatz, Festpreis oder Preisspanne?
  7. Preise kommunizieren und erhöhen

Die häufigste Preisstrategie in der Branche ist der Blick zum Studio nebenan. Das ist verständlich und trotzdem gefährlich: Der Kollege hat vielleicht keine Platzmiete, arbeitet in Teilzeit oder lebt seit Jahren von der Substanz. Wenn du seinen Stundensatz übernimmst, übernimmst du seine Kostenstruktur, nicht deine. Der Marktvergleich ist am Ende nur die Kontrolle, nicht die Rechnung.

Warum reicht der Blick auf die Konkurrenz nicht?

Ein Stundensatz muss vier Dinge gleichzeitig tragen: dein Leben, deine Abgaben, deinen Betrieb und deine unbezahlten Stunden. Der Preis des Studios nebenan sagt über keinen dieser vier Punkte etwas aus. Er sagt nur etwas über das Preisgefüge deiner Stadt, und das ist die Bandbreite, in der du dich am Ende bewegen musst.

Deshalb ist die Reihenfolge wichtig: zuerst rechnen, dann mit dem Markt abgleichen. Liegt dein errechneter Satz deutlich über der ortsüblichen Spanne, hast du entweder zu hohe Fixkosten oder zu wenige tätowierbare Stunden. Liegt er deutlich darunter, verschenkst du Geld.

Wie berechnest du deinen Stundensatz?

Die Rechnung geht von hinten nach vorn, vom Leben zum Preis. Vier Blöcke, eine Division.

  1. Wunsch-Nettoeinkommen: Was willst du im Monat auf dem Konto haben, nach allem? Mal zwölf.
  2. Sozialversicherung und Steuern: In der Schweiz AHV und Vorsorge, in Deutschland und Österreich Sozialversicherung und Einkommensteuer. Rechne mit einer Schätzung deiner Treuhand, überschlägig oft rund 30 Prozent des Gewinns.
  3. Fixkosten: Studio- oder Platzmiete, Versicherungen, Software, Marketing, Weiterbildung, Treuhand. Eine Übersicht der Posten findest du bei den Betriebsausgaben.
  4. Material: Nadeln, Farben, Folie, Handschuhe, Desinfektion. Schätze pro Jahr, nicht pro Session.

Die Summe dieser vier Blöcke ist der Umsatz, den du im Jahr brauchst. Diesen teilst du durch die Stunden, die du wirklich am Kunden verbringst.

Wie viele Stunden tätowierst du wirklich?

Hier liegt der grösste Rechenfehler. Eine 40-Stunden-Woche bedeutet nicht 40 Stunden Maschine. Zeichnen, Anfragen beantworten, Termine koordinieren, Material bestellen, Studio reinigen, Buchhaltung, Instagram: All das ist Arbeit, aber unbezahlte Arbeit. In der Praxis bleiben meist 20 bis 25 Stunden am Kunden übrig.

Rechne zusätzlich mit Ferien, Krankheit, Conventions und Löchern im Kalender. Vier bis acht Wochen ohne Umsatz im Jahr sind normal. Wer mit 48 Wochen und 40 Stunden rechnet, kommt auf 1'920 Stunden und damit auf einen Stundensatz, der in der Realität nie aufgeht.

Beispielrechnung mit Zahlen

PostenBetrag pro Jahr in CHF oder Euro
Wunsch-Nettoeinkommen (4'500 im Monat)54'000
Sozialversicherung und Steuern, geschätzt rund 30 Prozent23'000
Fixkosten (Platzmiete, Versicherung, Software, Marketing, Treuhand)18'000
Material6'000
Nötiger Jahresumsatz101'000
Tätowierbare Stunden (40 Wochen mit 20 Stunden)800
Rechnerischer Stundensatz126

Aus 126 machst du in der Praxis 130. Das liegt am unteren Rand der üblichen DACH-Spanne von 120 bis 250 CHF oder Euro, passt also. Spiel die Rechnung mit deinen Zahlen durch: Schon 5 Stunden mehr pro Woche oder 3'000 weniger Fixkosten verschieben das Ergebnis spürbar. Wie du deine Auslastung überhaupt sichtbar machst, steht im Artikel zur Umsatzplanung.

Warum brauchst du einen Mindestpreis?

Jede Session kostet dich unabhängig von der Grösse des Motivs Zeit und Material: Arbeitsplatz aufbauen und desinfizieren, Stencil vorbereiten, Aufklärung und Einverständnis, Nadeln und Farbe anbrechen, danach alles wieder abbauen. Diese Rüstzeit liegt oft bei 30 bis 45 Minuten und wird bei kleinen Tattoos einfach verschenkt.

  • Was der Mindestpreis abdeckt: Rüstzeit, Material, Stencil, Nachsorge-Erklärung und die administrative Zeit rund um den Termin.
  • Übliche Spanne im DACH-Raum: 80 bis 150 CHF oder Euro, je nach Stadt und Studio.
  • Klar kommunizieren: Der Mindestpreis gehört in die Preisangaben, nicht erst ins Gespräch am Ende.
  • Kleine Motive bündeln: Mehrere Mini-Tattoos in einer Session sind für beide Seiten günstiger als drei einzelne Termine.

Stundensatz, Festpreis oder Preisspanne?

ModellPasst beiRisiko
Stundensatzgrossen Projekten, Cover-ups, Freihand, mehreren SessionsKunde kennt den Endpreis vorher nicht
Festpreisklar umrissenen Motiven nach fertiger Skizzeliegt bei dir, wenn es länger dauert
PreisspanneErstanfragen, bevor Skizze und Stelle stehenSpanne muss eng genug sein, um verbindlich zu wirken
Tagessatzganztägigen Sessions, Rücken, Sleeveslohnt sich nur bei realistischer Tagesplanung

In der Praxis funktioniert eine Kombination am besten: Preisspanne in der ersten Antwort, Festpreis oder Stundensatz nach der Skizze, Mindestpreis immer. So weiss der Kunde früh, woran er ist, und du legst dich erst fest, wenn du das Motiv kennst.

Preise kommunizieren und erhöhen

Preise werden selten wegen der Höhe zum Problem, sondern wegen der Überraschung. Nenne die Spanne in der ersten Antwort auf eine Anfrage, verlange eine Anzahlung, die auf den Preis angerechnet wird, und mache nach jeder Session eine kurze Nachkalkulation: geplante Stunden gegen tatsächliche Stunden, geplanter Preis gegen kassierten Preis. Nach zehn Sessions siehst du genau, welche Motivgrössen du regelmässig unterschätzt.

Eine Preiserhöhung kündigst du am besten mit Vorlauf an, sachlich und ohne Rechtfertigungsschleife. Zwei bis drei Monate Vorlauf sind fair, bestehende Termine zum alten Preis abzuschliessen ebenfalls.

Vorlage: Preiserhöhung ankündigenVorlage
Hey zusammen,

ab dem 1. Januar 2027 passe ich meine Preise an. Der Stundensatz liegt dann bei 150 CHF, der Mindestpreis bei 120 CHF.

Warum: Material, Miete und Versicherungen sind in den letzten zwei Jahren deutlich teurer geworden, und ich möchte weiterhin genug Zeit pro Kunde einplanen können, statt schneller zu arbeiten.

Alle Termine, die bis zum 31. Dezember 2026 stattfinden, laufen zum bisherigen Preis. Auch Projekte, die wir schon begonnen haben, schliesse ich zum alten Satz ab.

Wenn du noch etwas in diesem Jahr machen willst, schreib mir, ich schaue, was im Kalender geht.

Danke fürs Vertrauen,
[Dein Name]
FAQ

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Tattoo Artist?

Addiere dein gewünschtes Jahres-Nettoeinkommen, deine geschätzten Abgaben für Sozialversicherung und Steuern, deine jährlichen Fixkosten und dein Material. Teile die Summe durch die Stunden, die du realistisch am Kunden bist, also meist 20 bis 25 pro Woche über etwa 40 Arbeitswochen. Das Ergebnis ist dein Mindest-Stundensatz, den du danach mit dem Markt abgleichst.

Was kostet ein Tattoo pro Stunde im DACH-Raum?

Die üblichen Stundensätze liegen meist zwischen 120 und 250 CHF oder Euro, abhängig von Stadt, Stil, Wartezeit und Erfahrung. Das ist eine Bandbreite, keine Regel: Ein spezialisierter Artist mit langer Warteliste liegt darüber, ein Berufseinstieg in einer kleinen Stadt darunter. Entscheidend bleibt deine eigene Kostenrechnung.

Wie hoch sollte ein Tattoo-Mindestpreis sein?

Der Mindestpreis muss Rüstzeit, Material, Stencil und Administration abdecken, auch wenn das Motiv nur zwanzig Minuten dauert. Im DACH-Raum liegen Mindestpreise meist zwischen 80 und 150 CHF oder Euro. Nenne ihn immer zusammen mit dem Stundensatz, damit kleine Anfragen von Anfang an realistisch eingeschätzt werden.

Wie viele Stunden pro Woche kann ich als Tattoo Artist tätowieren?

Bei einer 40-Stunden-Woche bleiben in der Praxis 20 bis 25 Stunden am Kunden übrig. Der Rest geht für Zeichnen, Anfragen, Terminplanung, Bestellungen, Reinigung, Buchhaltung und Social Media drauf. Wer die unbezahlten Stunden nicht einrechnet, setzt seinen Stundensatz systematisch zu tief an.

Festpreis oder Stundensatz für ein Tattoo?

Ein Festpreis passt, wenn Motiv, Grösse und Stelle nach der Skizze feststehen, und gibt dem Kunden Sicherheit. Ein Stundensatz passt bei grossen Projekten, Cover-ups und Freihandarbeiten, deren Dauer sich vorher nicht seriös schätzen lässt. Für die erste Anfrage nennst du am besten eine Preisspanne und legst dich erst nach der Skizze fest.

Wie kündige ich eine Preiserhöhung an?

Mit zwei bis drei Monaten Vorlauf, in einem kurzen Text an Stammkunden und auf deinen Kanälen. Nenne den neuen Stundensatz und Mindestpreis, den Stichtag und einen sachlichen Grund. Bereits gebuchte Termine und laufende Projekte schliesst du zum alten Preis ab, das ist fair und erspart Diskussionen.

Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026.

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