Wer als Tattoo Artist selbstständig arbeitet, meldet sich zuerst an: in der Schweiz bei der AHV-Ausgleichskasse plus Meldung des Tätowierens beim Kanton, in Deutschland mit einer Gewerbeanmeldung und dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in Österreich mit einer Gewerbeberechtigung samt Befähigungsnachweis. Mehrwertsteuer wird erst ab einer Umsatzgrenze fällig, aktuell 100'000 CHF in der Schweiz, 25'000 Euro Vorjahr und 100'000 Euro laufendes Jahr in Deutschland, 55'000 Euro in Österreich. Bis dahin bleibst du von der Steuer befreit, darfst aber auch keine Vorsteuer abziehen.
- Tätowieren ist in allen drei Ländern eine gewerbliche Tätigkeit, die du vor dem ersten bezahlten Termin anmelden musst.
- Die Mehrwertsteuer greift erst ab einer Umsatzgrenze: 100'000 CHF in der Schweiz, 25'000 beziehungsweise 100'000 Euro in Deutschland, 55'000 Euro in Österreich.
- Kleinunternehmer heisst einfachere Rechnungen und tiefere Preise für Privatkunden, aber kein Vorsteuerabzug auf Material und Geräte.
- Leg dir von jedem Franken oder Euro Gewinn einen festen Anteil für Steuern und Sozialversicherung auf ein separates Konto.
- Aufbewahrungsfristen unterscheiden sich: 10 Jahre in der Schweiz, 8 bis 10 Jahre in Deutschland, 7 Jahre in Österreich.
Inhalt
- Wo meldest du dich als Tattoo Artist an?
- Anmeldung, Umsatzgrenze und Aufbewahrung im Vergleich
- Wie funktioniert die Mehrwertsteuer bei einem Tattoo?
- Kleinunternehmer ja oder nein?
- Wie viel Geld musst du für Steuern zur Seite legen?
- Sozialversicherung neben der Steuer
- Wann lohnt sich eine Treuhänderin oder ein Steuerberater?
Die meisten Artists rutschen in die Selbstständigkeit hinein, statt sie zu planen. Erst ein paar Freunde, dann Anfragen über Instagram, dann plötzlich ein voller Kalender. Spätestens wenn regelmässig Geld fliesst, interessiert sich der Staat dafür, und zwar rückwirkend. Dieser Artikel sortiert die ersten Schritte für die Schweiz, Deutschland und Österreich.
Wo meldest du dich als Tattoo Artist an?
Schweiz
In der Schweiz meldest du dich bei der AHV-Ausgleichskasse deines Kantons als selbstständigerwerbend an. Die Kasse prüft, ob du wirklich selbstständig bist, und stellt dir eine Bestätigung aus, die auch Banken und Auftraggeber sehen wollen. Zusätzlich musst du das Tätowieren der kantonalen Vollzugsbehörde melden, das schreibt die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung vor. Eine eidgenössische Ausbildungspflicht gibt es nicht, einzelne Kantone wie Genf oder Neuenburg haben aber eigene Vorgaben.
Deutschland
In Deutschland ist Tätowieren ein Gewerbe und kein freier Beruf. Du meldest also beim Gewerbeamt deiner Gemeinde ein Gewerbe an, das kostet meist einen kleinen zweistelligen Betrag. Danach schickt dir das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in dem du unter anderem angibst, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen willst. Parallel meldest du dich beim Gesundheitsamt und hältst die Hygieneverordnung deines Bundeslands ein, unangekündigte Kontrollen sind möglich.
Österreich
Österreich ist der strengste der drei Fälle. Tätowieren fällt unter das reglementierte Gewerbe 'Kosmetik (Schönheitspflege)', eingeschränkt auf das Tätowieren, und verlangt einen Befähigungsnachweis beziehungsweise eine Befähigungsprüfung. Ohne diesen Nachweis bekommst du keine Gewerbeberechtigung. Mit der Gewerbeanmeldung landest du automatisch bei der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) und meldest dich beim Finanzamt.
Anmeldung, Umsatzgrenze und Aufbewahrung im Vergleich
| Schweiz | Deutschland | Österreich | |
|---|---|---|---|
| Anmeldung | AHV-Ausgleichskasse, Meldung beim Kanton | Gewerbeamt, Fragebogen Finanzamt, Gesundheitsamt | Gewerbeberechtigung mit Befähigungsnachweis, SVS, Finanzamt |
| Grenze für Mehrwertsteuer | 100'000 CHF weltweiter Jahresumsatz | 25'000 Euro Vorjahr und 100'000 Euro laufendes Jahr | 55'000 Euro brutto, 10 Prozent Toleranz |
| Zuständig für die Steuer | ESTV | Finanzamt | Finanzamt |
| Sozialversicherung | AHV, IV, EO über die Ausgleichskasse | Kranken- und Pflegeversicherung Pflicht, Rente meist freiwillig | SVS für Pension, Kranken- und Unfallversicherung |
| Belege aufbewahren | 10 Jahre | 8 Jahre Belege, 10 Jahre Bücher und Abschlüsse | 7 Jahre |
Wie funktioniert die Mehrwertsteuer bei einem Tattoo?
Solange du unter der Grenze deines Landes bleibst, stellst du deine Preise ohne Mehrwertsteuer in Rechnung. Ab der Grenze meldest du dich an, schlägst den geltenden Satz auf deine Leistung und führst ihn ab. Welcher Satz gilt, unterscheidet sich zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich, das sagt dir die zuständige Steuerbehörde.
Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Satz von 20 Prozent macht das Prinzip klar. Du vereinbarst mit der Kundin 960 CHF oder Euro für ein Tattoo. Davon sind 800 dein Netto-Umsatz und 160 Mehrwertsteuer, die dir nie gehört hat. Kaufst du im selben Monat Farben und Nadeln für 240 brutto, stecken darin 40 Vorsteuer, die du gegenrechnen darfst, du überweist also 120 an die Behörde.
Wichtig ist die Denkrichtung: Für Privatkunden ist der Bruttopreis der Preis. Wenn du dich anmeldest und deine 800 zu 960 werden, zahlt der Kunde mehr, oder du verdienst weniger. Genau darum ist der Wechsel eine Preisfrage und keine reine Formalität, siehe dazu auch unseren Artikel zur Preiskalkulation.
Kleinunternehmer ja oder nein?
In Deutschland und Österreich ist die Kleinunternehmerregelung eine Entscheidung, in der Schweiz heisst das Gegenstück freiwillige Unterstellung unter die Mehrwertsteuer. Die Logik ist überall dieselbe: Du tauschst Einfachheit gegen den Vorsteuerabzug.
- Dafür: keine Voranmeldungen, keine Steuer auf der Quittung, weniger Buchhaltung. In Deutschland musst du auf der Rechnung nur auf die Steuerbefreiung hinweisen.
- Dafür: Privatkunden zahlen den Preis, den sie sehen. Da fast alle deine Kunden Privatpersonen sind, wirkt der Preisvorteil direkt.
- Dagegen: Kein Vorsteuerabzug. Maschine, Netzteil, Kabine, Farben, Möbel und Miete kaufst du brutto und bleibst auf der Steuer sitzen.
- Dagegen: Wer gerade ein Studio einrichtet und viel investiert, verliert dabei schnell einen vierstelligen Betrag.
- Dagegen: Die Grenze zwingt dich irgendwann zum Wechsel, und dann musst du deine Preise ohnehin anfassen.
Als Faustregel: Wer klein startet, wenig investiert und nur Privatkunden hat, fährt mit der Befreiung meist besser. Wer im ersten Jahr ein Studio einrichtet oder ohnehin nah an der Grenze liegt, sollte durchrechnen lassen, ob die freiwillige Anmeldung günstiger ist.
Wie viel Geld musst du für Steuern zur Seite legen?
Der teuerste Fehler in den ersten zwei Jahren ist nicht ein falsches Formular, sondern ein leeres Konto im Moment der ersten Rechnung vom Amt. Einkommensteuer und Sozialversicherung kommen verzögert, oft erst im Folgejahr, dafür dann für zwölf Monate auf einmal. Wer bis dahin alles ausgegeben hat, finanziert die Vergangenheit mit dem Umsatz der Gegenwart.
Sozialversicherung neben der Steuer
- Schweiz: Über die Ausgleichskasse zahlst du AHV, IV und EO auf dein Erwerbseinkommen. Die Beiträge werden zuerst provisorisch veranlagt und später korrigiert, plane also eine Nachzahlung ein. Pensionskasse und Taggeld sind für Selbstständige nicht automatisch dabei.
- Deutschland: Die Krankenversicherung ist Pflicht und musst du selbst tragen, gesetzlich oder privat. Die Rentenversicherung ist für die meisten Artists freiwillig, was die Verantwortung für die Altersvorsorge auf dich verschiebt.
- Österreich: Die SVS deckt Pension, Kranken- und Unfallversicherung ab. Auch hier werden die Beiträge zunächst geschätzt und nach der Steuerveranlagung nachbelastet.
Wann lohnt sich eine Treuhänderin oder ein Steuerberater?
Im ersten Jahr mit überschaubarem Umsatz und sauber abgelegten Belegen kommst du oft allein durch, vor allem mit den Grundlagen der Buchhaltung und einem klaren System für Betriebsausgaben. Professionelle Hilfe zahlt sich meist ab dem Punkt aus, an dem eine Entscheidung mehr Geld bewegt als das Honorar kostet.
- Du näherst dich der Umsatzgrenze und musst über die Anmeldung entscheiden.
- Du richtest ein Studio ein oder kaufst grössere Geräte.
- Du arbeitest über die Grenze, etwa bei Guest Spots oder Conventions im Ausland.
- Du stellst jemanden an oder rechnest mit anderen Artists ab.
- Du bekommst Post vom Amt, die du nicht sofort verstehst.
Häufige Fragen
Brauche ich als Tattoo Artist eine Gewerbeanmeldung?
In Deutschland ja, Tätowieren ist ein Gewerbe und kein freier Beruf, du meldest es beim Gewerbeamt an. In Österreich brauchst du eine Gewerbeberechtigung mit Befähigungsnachweis. In der Schweiz gibt es keine Gewerbeanmeldung in diesem Sinn, dafür meldest du dich bei der AHV-Ausgleichskasse an und zeigst dem Kanton an, dass du tätowierst.
Ab wann muss ich als Tattoo Artist Mehrwertsteuer zahlen?
In der Schweiz ab 100'000 CHF weltweitem Jahresumsatz, angemeldet wird bei der ESTV. In Deutschland endet die Kleinunternehmerregelung, wenn der Vorjahresumsatz über 25'000 Euro lag oder im laufenden Jahr 100'000 Euro überschritten werden. In Österreich liegt die Grenze bei 55'000 Euro brutto, mit einer Toleranz von zehn Prozent innerhalb eines Jahres.
Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung für Tattoo Artists?
Meistens ja, solange du wenig investierst und fast nur Privatkunden hast. Du sparst dir Voranmeldungen und dein Preis bleibt für den Kunden derselbe. Der Nachteil ist der fehlende Vorsteuerabzug: Farben, Nadeln, Maschine und Möbel kaufst du dann brutto. Wer ein Studio einrichtet, sollte beide Varianten durchrechnen lassen.
Wie viel Prozent vom Umsatz soll ich für Steuern zurücklegen?
Eine verbreitete Praxis ist, 25 bis 35 Prozent des Gewinns für Steuern und Sozialversicherung auf ein separates Konto zu legen. Das ist eine Faustregel und kein Steuersatz, dein tatsächlicher Anteil hängt von Land, Einkommen und Abzügen ab. Wichtig ist vor allem, dass du überhaupt regelmässig zurücklegst statt einmal im Jahr zu erschrecken.
Wie lange muss ich meine Belege aufbewahren?
In der Schweiz gelten zehn Jahre für Geschäftsbücher und Belege. In Deutschland sind es seit 2025 acht Jahre für Buchungsbelege und Rechnungen, Bücher und Jahresabschlüsse bleiben bei zehn Jahren. In Österreich sind sieben Jahre vorgeschrieben. Digitale Kopien reichen in der Regel, wenn sie vollständig und unveränderbar abgelegt sind.
Was kostet der Start in die Selbstständigkeit als Tattoo Artist?
Die Anmeldungen selbst sind günstig, in Deutschland kostet die Gewerbeanmeldung meist einen kleinen zweistelligen Betrag, in der Schweiz ist die Anmeldung bei der Ausgleichskasse gratis. Teuer wird der Rest: Equipment, Einrichtung, Versicherungen und die ersten Monate ohne vollen Kalender. Plane Rücklagen für mindestens drei Monate Fixkosten ein.
Vom Taddoo-Team, gebaut von Artists und Booking-Managern für Artists. Veröffentlicht am 9. September 2026, zuletzt aktualisiert am 12. September 2026.




